Kata

Karate – Kata (型)
Die „Form“

Kata ist die älteste überlieferte Übungsform im traditionellen Karate-Dō. Sie besteht aus einer bestimmten Folge von Abwehr- und Kontertechniken, die die Verteidigung gegen mehrere imaginäre Gegner symbolisieren. Die Ausführung einer Kata ist in Bezug auf Bewegungsreihenfolge, Rhythmus, Krafteinsatz und Atmung genau festgelegt. Des Weiteren verläuft die Ausführung nach einem meist symmetrischen Schrittdiagramm (sog. Enbusen), das den Verlauf und die Richtungen der Techniken in Linienform auf dem Boden darstellt und bei dem Start- und Endpunkt der Kata-Vorführung übereinstimmen muss.

Nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild werden Kata in zwei Kategorien unterteilt, die als Shōrin (小林) und Shōrei (昭霊) bezeichnet werden. Shōrei bedeutet „Inspiration“ und bezeichnet eine nicht gering verbreitete Karate-Stilrichtung, die sich durch weniger schnelle, aber kräftige und atembetonte Techniken mit tiefen Ständen kennzeichnet. Wegen der weichen, fließenden, langsamen Bewegungen mit meditativem Aspekt und somit eher nach „innen“ gerichteten Bewegungen wird Shōrei auch der innere Stil genannt. Der äußere Stil (Shōrin) kennzeichnet sich dagegen mit der Betonung auf harte, schockartige und schnelle Bewegungen, die kämpferischen Ausdruck erkennen lassen. Zum Trainieren der konditionellen Fähigkeiten werden Shōrei-Kata zur Steigerung der Kraft, Shōrin-Kata zur Verbesserung der Schnelligkeit und der Flexibilität benutzt.

Kata kann zum einen als höhere Form der Grundschule angesehen werden, in der das Bemühen wiederzufinden ist, mehrere Techniken innerhalb einer Abfolge von Kombinationen zu perfektionieren. Historisch betrachtet wird Kata jedoch als eines der wichtigsten Prinzipien des Zen-Buddhismus mit der Abkehr von schriftlich fixiertem Wissen und sogar als Verzicht auf verbale Sprache verstanden. Daher ist Kata ein „lebendes Buch“ zu interpretieren, welches vom Meister zum Schüler gleichsam von „Herz zu Herz“ weitergegeben wurde. Das Verzichten auf Sprache bedeutet „schweigende Meditation zugunsten einer unmittelbaren Erfahrung“, in dem höhere Erkenntnisse nicht vom Meister erklärt werden können und deshalb vom Schüler zu finden sind. Das „Prinzip“ Kata ist daher ein Analogon zur östlichen Lehre der Reinkarnation, in der es trotz fortlaufender Wiederkehr auch Varianten und Veränderungen gibt, geprägt durch die persönlichen Interpretationen und dem individuellen Stil des Übenden.

Traditionelle Vertreter des Karate-Dō verweigern sich den Wettkämpfen, weil nach ihrer Meinung dadurch das Streben nach geistiger Vervollkommnung, nach Selbstlosigkeit und dem Aufgeben weltlicher Werte verlorengehe. Im Sinne des Zen-Buddhismus solle Karate-Dō das stetige Auseinandersetzen mit sich selbst durch körperliche Übung in Form der bereits bezeichneten „Meditation in Bewegung“ sein.
 
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