Hanbo

Der „halbe “ auch Sanshaku Bō

 

Der Hanbō, eine ausgezeichnete Nahkampf- und Selbstverteidigungswaffe.

Auf Okinawa wurden diese Stockvarianten häufig paarweise benutzt (Nitanbō), doch konnten sie in derselben Weise auch einzeln gebraucht werden. Letzteres setzte immer eine Verbindung mit den Kampfkünsten der leeren Hand voraus, was auch heute noch üblich ist. Die frühen Formen dieser Waffen hatten ein kleines Loch am Stockende, woran eine Schnur oder ein Lederband befestigt war. Der Kämpfer wickelte es um sein Handgelenk, um zu verhindern, dass er seine Waffe aus der Hand verlor. Andere Varianten hatten eine längere Schnur, die um die Hüfte gebunden wurde, um den Bō auf diese Weise zu transportieren. Die Schnüre führten auch zu besonderen Verwendungen des Sanshaku Bō. Er konnte geworfen oder gedreht und an der Schnur wieder in die Hand zurückgenommen werden.

Der kürzere Bō hatte den Vorteil, dass er leicht zu verbergen war, jedoch konnte ein einzelner Schwertschlag ihn ohne weiteres zerschneiden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Techniken mit dem kurzen Bō sehr von den Techniken mit den langen Stockwaffen. Das wichtigste Element ist hier die Überraschung. Dies bildet die Grundlage für alle Praktiken mit den kürzeren Waffen. Die okinawesischen Meister lehrten, dass alle Techniken mit dem kurzen Bō sehr schnell sein mussten und dass auf die Ausweichbewegungen des Körpers ein größerer Akzent gelegt werden musste als bei anderen Stockwaffen. Die Abwehrbewegungen sind weit mehr auf Ableitungen der gegnerischen Angriffe bedacht als zum Beispiel auf Blocken. Auch wurden Techniken entwickelt, mit denen eine sehr schnelle Richtungsänderung des Schlages möglich war (z.B. zwei kurze Schläge nacheinander ohne Unterbrechung).

Die meisten traditionellen Techniken mit dieser Waffe betonen kreisförmige oder stoßende Bewegungen. Die Abwehrtechniken werden mit schwingenden Bewegungen ausgeführt, was die Deutung der klassischen Kata heute erschwert (dieselbe Bewegung kann ein Angriff oder eine Verteidigung sein). Gegen ein Schwert waren schnelle Bewegungen aus dem Handgelenk notwendig, während man mit Fußbewegungen beständig dabei war, den schneidenden und stechenden Techniken des Schwertes auszuweichen. Mit dem Sanshaku Bō bewaffnet die Herausforderung eines Samurai anzunehmen war sehr gefährlich. Die Meister dieser Variante mussten deshalb ein außergewöhnliches Können entwickeln, und dies führte dazu, dass die Techniken des Sanshaku Bō heute hoch entwickelt und sehr fein sind. Heute gehört er zu den beliebtesten Selbstverteidigungswaffen, da er in der heutigen Situation (es gibt keine Schwerter mehr) in der Selbstverteidigung sehr vielfältig zu gebrauchen ist.
 
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