Sai

Die Metallgabel

Diese sehr bekannte Waffe, wird nicht nur in den Kampfkünsten des Ryū Kyū-Archipels verwendet. So findet man sie auch in zahlreichen anderen ostasiatischen Ländern, so in China (Chai, Gen, T’ieh ch’ih), Malaysia (Tekpi) und Indonesien (Trisula, Cabang).

Die japanische Bezeichnung Sai leitet sich vom chinesischen Chai (Haarnadel) ab, welches wiederum aus den zwei Radikalen cha (Gabel, Mistgabel, Kreuz, Zinke) und jin (Metall, Geld, Gold) besteht. So ergibt sich also das Wort Metallgabel oder Metallkreuz, welche die Form des Sai beschreibt.

Auch zu dieser Waffe gibt es verschiedene Vermutungen über den Ursprung und die Entwicklung zur Waffe: Eine sehr nahe liegende Möglichkeit wäre, dass der Sai einfach nur die Spitze einer normalen Mist-/Heugabel gewesen ist. Doch warum sollte man eine Langwaffe dieser Form (wie sie zum Beispiel noch als Hu Cha / Tigergabel im Kung Fu existiert) verkleinern?

Einer anderen Theorie zufolge war der Sai eine vereinfachte und dem praktischen Gebrauch angepasste Modifikation eines Gegenstandes der antiken religiösen chinesischen und indischen Ikonographie – Machtsymbole zum Schutz der buddhistischen Lehre. So liegt es nahe, dass der Sai eine abgewandelte Form des Vajra (sprich: „Watsch – ra“, Sanskrit der Mächtige, der Harte) ist.

Die von tibetanischen Mönchen als Waffe benutzten Vajra hatten scharf geschliffene Spitzen; meist aus Bronze, manchmal auch mit Gold, Silber oder Eisen legiert, seltener aus Holz, Knochen oder Kristall gefertigt.

Eine weitere Theorie ist, dass der Sai aus China als Waffe für die okinawesische Polizei eingeführt wurde. Diese sogenannten „Chikusaji“ trugen diese Selbstverteidigungswaffe, die denen, die sich gegen eine Festnahme wehrten, entgegen geschleudert werden konnte. Eine solche Technik, bei der das Ziel das Fixieren des Beines des Angreifers ist, ist in einigen der traditionellen Kata vorhanden.
Diese Theorie zieht ihre Glaubwürdigkeit aus der Tatsache, dass einer Okinawas berühmtesten Sai-Techniker, Kanagushiku (Kinjo) Ufuchiku (1841 – 1926), ein hoch angesehener Polizei-Kommandant war.

Die ursprünglichen Sai, wie sie von den Kobudō-Meistern auf Okinawa verwendet wurden, bestanden aus Eisen und hatten ein Gewicht von 500 – 750 g und eine Länge von etwa 45 – 55 cm, je nach Armlänge des Benutzers. Sie besaßen einen runden oder achteckigen Schaft, der an einem Ende zugespitzt war. Die Spitze war manchmal scharf, doch in den meisten Fällen stumpf. Die verschieden geschwungenen Gabeln traten aus dem Hauptschaft hervor und bildeten einen Schutz für die Hand. Ihre Spitzen waren gewöhnlich sehr scharf.

Hier einige Varianten der Tsukagashira:

Durch eine spezielle Technik ist es möglich einen Stock mit den Sai derart einzuklemmen, dass er nicht mehr befreit werden kann.

In der Kampfkunst konnten die Techniken des Tōde ohne größere Veränderung direkt mit dem Sai ausgeführt werden. Man benutzte die Sai paarweise, und meist hatten die Kämpfer noch einen zusätzlichen Sai im Gürtel.

In der Regel unterscheiden sich die Sai-Techniken kaum von denen, die in den Karate-Stilen verwendet werden. Der Hauptunterschied ist, dass die Waffe in zwei Positionen geführt werden kann: Honte (Waffenklinge nach außen) und Gyakute (Klinge zum Körper). Dies trifft auf jede Technik zu, mit Ausnahme der Schlagtechniken (Uchi). Sie werden nur in Honte ausgeführt.
 
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